Stadtwerke Bayreuth // Standard 1-Linienbusse (1969-1986)

Die Entwicklung des Standardbusses

Zur Reduzierung der Fahrzeugvielfalt, die in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg entstanden war und für Fahrpersonal wie Verkehrsbetrieb enorme Nachteile mit sich brachte, entwickelte der Verband öffentlicher Verkehrsbetriebe (VöV) in den 1960er Jahren zusammen mit den gängigen deutschen Omnibusherstellern das Konzept eines Linienbusses, bei dem Hersteller übergreifend möglichst viele Bauteile einheitlich und somit austauschbar sein sollten. Dadurch erhoffte man sich Vorteile für das Fahrpersonal, die Ersatzteilhaltung in der betriebseigenen Werkstatt und nicht zuletzt die Möglichkeit der Reduzierung des Werkstattpersonals. Darüber hinaus sollten alle Wagen als „Einmannfahrzeuge“ ausgeführt werden, sodass der Schaffner für den Fahrkartenverkauf überflüssig wurde. Im Jahr 1967 sind schließlich die ersten Prototypen öffentlich vorgestellt und in der Folgezeit erprobt worden.
An der Serienproduktion des Standard 1-Baumusters beteiligten sich schließlich die Hersteller Büssing, MAN, Daimler-Benz, Magirus-Deutz sowie der ungarische Hersteller Ikarus.

Standard 1-Busse bei den Stadtwerken Bayreuth

In den Jahren 1969 bis 1986 gelangten insgesamt rund 50 Standard 1-Busse – die genaue Stückzahl lässt sich mangels Aufzeichnungen leider nicht festlegen – in den Fuhrpark der Stadtwerke Bayreuth, wobei dieser von etwa 1981 bis 1986 komplett aus solchen Fahrzeugen bestand. Beschafft wurden bis ins Jahr 1978 ausschließlich Fahrzeuge des Herstellers MAN, bevor ab 1979 auch Daimler-Benz zum Zuge kam. Während die Daimler-Benz-Fahrzeuge mit hauseigenen Mercedes-Automatikgetrieben ausgestattet waren, kamen in den frühen MAN halbautomatische ZF Hydromedia-Getriebe zum Einsatz, bevor die folgenden Neuwagen ab Mitte der 1970er Jahre vollautomatische RENK-Dreigang-Getriebe erhielten.

Die Stadtwerke bestellten ihre Fahrzeuge dabei mit einer Vielzahl von Eigenschaften, die den Bayreuther Bussen ein charakteristisches und unverwechselbares Erscheinungsbild verliehen: Noch relativ verbreitet war unter den Betrieben die Lieferung von Stadtbussen mit der vom Überlandbus gewohnten, etwas rundlicher gestalteten Front (in Bayreuth ab Baujahr 1973). Schon relativ selten war die Ausführung mit einem oben links austretenden Dachauspuff und kaum Verwendung bei anderen Verkehrsbetrieben fanden die in Bayreuth bis zuletzt bestellten Schiebefenster, welche ausschließlich im jeweils hintersten Seitenfenster verbaut worden waren.
Blickt man weiter in den Innenraum, so findet man (von den „Frühwagen“ der ersten Lieferungen bis Mitte der 1970er Jahre abgesehen) neben orangenen Seiten- und Türverkleidungen orangene Plastik-Sitzschalen mit roter Kunstleder-Sitzfläche, die in der hintersten Reihe als 4er-Bestuhlung ausgeführt sind. Zur damaligen Zeit bestanden die Sitzgelegenheiten in Linienbussen meist aus ganzen Sitzbänken, die mit zeittypischem Wollplüsch überspannt waren. Sitzschalen aus Plastik waren nur wenig verbreitet. Und wer der Meinung war, das Rollband würde seine Fahrtziele elektrisch per Knopfdruck wechseln, wird beim Blick auf eine Handkurbel im Rollbandkasten schnell eines Besseren belehrt…
Die Lackierung der Fahrzeuge war während des gesamten Lieferzeitraums zweifarbig in zeitgenössischem resedagrün (RAL 6011, Rumpf, bis zur unteren Fensterkante) und hellelfenbein (RAL 1015, ab Fensterunterkante bis zum Dach) ausgeführt.
Motorisiert waren die Wagen stets mit der Standardmotorisierung von zuletzt Hersteller übergreifend 147 kW/200 PS.

Die Nummerierung der Wagen erfolgte zunächst ohne bestimmte Reihenfolge, was die Zuordnung der Fahrzeuge zu einem bestimmten Baujahr enorm erschwert. Ab den frühen 1970er Jahren entschloss man sich zur Verwendung einer Kombination aus Funknummer und Baujahr, diese wurde auch an der Front der Wagen angeschrieben. Der Wagen 7/81 war beispielsweise unter der Funknummer 7 erreichbar und vom Baujahr 1981. Dabei ist anfangs so verfahren worden, dass die Nummern ausgemusterter Wagen direkt neu belegt wurden, spätestens ab den 1980er Jahren verwässerte das Konzept jedoch und man nummerierte fortan „bunt“ gemischt, wobei sich auch Doppelbelegungen ergaben, die im Nachhinein nicht mehr erklärbar sind; darüber hinaus wurden Wagen teilweise umnummeriert.
Auf den ersten Blick nicht ersichtlich gab es jedoch auch bei der Vergabe der Kennzeichen ein bestimmtes Schema. Zwar war der Buchstabe nicht relevant, die letzten beiden Ziffern aber schon. So hatte beispielsweise der Wagen 1/78 das Kennzeichen BT-N 745, der Wagen 17/77 das Kennzeichen BT-CY 61 – also eine um 17 höhere Ordnungsnummer als Wagen 1.
Mit Einführung einer einheitlichen Kennzeichenfolge ab dem Lieferjahr 1979 haben wir uns entschlossen, fortan die Nummer des Kennzeichens auch als Wagennummer zu verwenden, wenngleich dies bei den Stadtwerken aufgrund der angeschriebenen Kombination aus Funknummer und Baujahr nicht so gehandhabt wurde.

Die ausgelieferten und uns bekannten Standard 1-Wagen verteilten sich wie folgt:

Lieferung 1969: 2x MAN 750 HO-SL
(Wagen 7/69 und 8/69 – BT-T 151 und T 152)
Lieferung 1970: 2x MAN 750 HO-SL
(Wagen 6/70 und 25/70 – BT-W 850 und W 69)
Lieferung 1972: 2x MAN SL 160
(Wagen 11/72 und 16/72 – BT-AA 55 und AE 60)
Lieferung 1973: 3x MAN SL 192
(Wagen 13/73, 26/73 und 32/73 – BT-Y 957, V 570 und V 576)
Lieferung 1974: 3x MAN SL 192
(Wagen 14/74, 19/74 und 30/74 – BT-X 458, X 663 und Y 274)
Lieferung 1975: 7x MAN SL 192
(Wagen 2/75, 15/75, 20/75, 22/75, 24/75, 29/75 und 31/75 –
BT-J 46, Y 959, X 664, J 366, X 568, CL 73 und X 975)
Lieferung 1977: 3x MAN SL 200
(Wagen 5/77, 17/77 und 23/77 – BT-AS 49, CY 61 und AK 67)
Lieferung 1978: 3x MAN SL 200
(Wagen 1/78, 4/78 und 21/78 – BT-N 745, N 748 und N 465)
Lieferung 1979: 1x MAN SL 200 (Wagen 77, BT-ST 77)
2x Daimler-Benz O 305 (Wagen 78-79, BT-ST 78-79)
Lieferung 1980: 2x MAN SL 200 (Wagen 80-81, BT-SD 80 und BT-ST 81)
1x Daimler-Benz O 305 (Wagen 82, BT-ST 82)
Lieferung 1981: 1x Daimler-Benz O 305 (Wagen 83, BT-ST 83)
2x MAN SL 200 (Wagen 84-85, BT-ST 84-85)
Lieferung 1982: 1x MAN SL 200 (Wagen 86, BT-ST 86)
2x Daimler-Benz O 305 (Wagen 87-88, BT-ST 87-88)
Lieferung 1983: 4x Daimler-Benz O 305 (Wagen 89-92, BT-ST 89-92)
Lieferung 1984: 3x MAN SL 200 (Wagen 1-3, BT-SW 1-3)
Lieferung 1985: 1x Daimler-Benz O 305 (Wagen 4, BT-SW 4)
Lieferung 1986: 3x Daimler-Benz O 305 (Wagen 5-7, BT-SW 5-7)

08/2013, AOP
letztes Update: 01.07.2014

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